Archive for September, 2011

Verkaufsoffener Sonntag am 02.10.11

Montag, September 26th, 2011

An einem Sonntag im Oktober ...

Wer sich auf den Tag der deutschen Einheit vorbereiten möchte (oder auch wer dem Trubel des Deutschlandfests in Bonn entkommen möchte) hat diesen Sonntag (also am 2.10.11) im Bonner COMIC Laden in der Oxfordstrasse 17 die Gelegenheit, ausgiebig zu stöbern und natürlich auch einzukaufen. Wir haben wieder zwischen 13 und 18 Uhr geöffnet 🙂

Eine Karte mit Anfahrt ist in unserem Impressum zu finden. Wegen des Deutschlandfests wird die Innenstadt an diesem Tag gesperrt sein, es wird aber dadurch auch eine Menge alternative Wege zu uns (und zum Fest) wie z.B. Park & Ride geben.

Sodas Rezensionen Folge 4: Habibi

Dienstag, September 20th, 2011

Da ist es also nun – das neue Werk von Craig Thompson, der mit „Blankets“ einen echten Bestseller geschaffen hat. Knapp acht Jahre hat es gedauert, bis wieder so ein Mammut-Werk entstanden ist. Es gibt ja Literatur, die erschlägt einen, sei es wegen ihrer sprachlichen oder – bei Comics – der graphischen Wucht. Aber mit „Habibi“ kann man Leute erschlagen, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Brocken umfasst fast 700 Seiten, die zwischen zwei harten Pappdeckeln klemmen. So einen Prestigetitel muss man natürlich in einer würdigen Form daher reichen, wozu auch die Goldprägung gehört.

Auch rührt der deutsche Reprodukt Verlag schon seit geraumer Zeit die Werbetrommel. Zum ersten Mal kam ich mit dem Titel auf dem Händlertreffen in Berlin in Kontakt, auf dem der dort ansässige Verlag sein Programm und das der Schweizer Kollegen der Edition Moderne vorgestellt hat. Dabei war ich noch nicht mal direkt angetan. „Blankets“ habe ich bis heute erfolgreich umschifft und auch die beiden anderen Werke von Thompson hatten mich bisher noch nicht angesprochen. Zudem ließ das Cover eine Geschichte über Religion vermuten und dafür bin ich eigentlich nicht unbedingt zu haben. Andererseits meide ich aber auch Geschichten über das Dritte Reich, weil ich dem Thema mehr als überdrüssig bin, einer Qualität von „Es war einmal in Frankreich“ kann ich mich aber dennoch nicht entziehen. Außerdem kann man über die Jungs (und Mädels) von Reprodukt eines ganz sicher sagen – der Enthusiasmus, mit dem sie hinter ihren Produkten stehen, ist sehr, sehr ansteckend. Ich gebe es auch unumwunden zu: Wäre „Habibi“ nicht bei Reprodukt erschienen, hätte ich es vermutlich nicht gelesen.
Aus Händlersicht ist man dann mitunter auch zwiegespalten: Die Tatsache „Hey, was neues von Craig Thompson – das ist wie Geld drucken!“ steht „Ui, Religion. Schwere Lektüre, könnte sich etwas schwertun.“ gegenüber.

Aber worum geht es eigentlich in diesem Comic (oder neudeutsch: Graphic Novel)? Da ich im Zusammenfassen von Handlungen eher eine Niete bin, bemühe ich mal den offiziellen Text der Verlagshomepage:

Vor einer fantastischen Kulisse aus orientalischen Wüstenlandschaften, märchenhaften Harems und der allgegenwärtigen Kluft zwischen „Erster“ und „Dritter Welt“, erzählt „Habibi“ die bewegende Geschichte von Dodola und Zam, zwei Sklavenkindern, die der Zufall eint, das Schicksal auseinanderreißt, und deren tiefe Liebe zueinander allen Widrigkeiten zum Trotz überdauert.

Vielschichtig, mitreißend und in Bildern von opulenter Pracht ist „Habibi“ eine außergewöhnliche, epische Liebesgeschichte, eine eindringliche Parabel über das gemeinsame Erbe von Islam und Christentum und allem voran eine Ode an die Magie des Geschichtenerzählens.

Soweit, so gut. Religionsmuffeln sei versichert – dieser Aspekt ist mehr ein Aufhänger, der den Hintergrund der Figuren liefert. Natürlich wird sich auch immer wieder darauf gestützt, aber im Fokus steht die Geschichte eben jener Dodola und jenes Zam, die gemeinsam aufwachsen und getrennt werden. Hierbei gelingt es Thompson sehr gut, die Beziehung der Figuren aufzubauen, zu verändern und letztendlich zu zementieren. Sind die beiden Figuren in den ersten Jahren noch wie Geschwister, so tritt mit dem Einsetzen der Pubertät die schleichende Veränderung in das Leben der beiden. Denn natürlich musste gerade Dodola einige Opfer bringen, damit sie sich und den jüngeren Zam über die Runden bringen konnte. Dennoch schafft der Autor es fast durchgängig, Dodola als starke Persönlichkeit darzustellen, selbst wenn sie dem männlichen Geschlecht körperlich unterlegen ist, dies jedoch mit Geschick auszugleichen vermag.

Doch natürlich hat es das Schicksal nicht leicht mit den beiden gemeint und sie werden getrennt, was eine Odyssee zur Folge hat, bis die beiden sich wiedersehen können. In dieser Zeit ist viel passiert, was Thompson ausgiebig zu Papier gebracht hat – erst den Weg von Dodola, dann den von Zam. Dabei streift er zahlreiche Themen wie Prostitution, Gewalt gegenüber Frauen, Armut, sexuelle Neigungen, Sklavenhandel, Habgier, Selbstsucht, aber auch Nächstenliebe und Mitgefühl. Ein schlechter Autor wäre vermutlich an der Vielzahl der Themen gescheitert, aber hier funktioniert dies alles. Natürlich bleibt dabei nicht aus, dass nicht gerade wenige Passagen tragisch sind, aber immer wieder gelingt es Thompson, die Stimmung mit Humor aufzuheitern, der bisweilen auch bizarre Ausmaße annimmt.
Besonders positiv hervorzuheben ist die deutsche Übersetzung. In der Regel bin ich SEHR pingelig mit deutschen Fassungen von Comics, die im Original in englischer Sprache erschienen sind. So pingelig, dass ich von dort übersetzte Comics einfach nicht lesen KANN, egal, wie die Qualität der Übersetzung ausfällt, da ich immer über irgendeine Redewendung oder einen falsch übersetzten Begriff stolpere. Natürlich kann ich die übersetzte Fassung noch nicht dem Original gegenüberstellen, aber der gesamte Band liest sich sehr angenehm und wie aus einem Guss. Das war wirklich sehr, sehr angenehm und somit sei die Reprodukt-Ausgabe auch den „Ich lese Comics nur im Original“-Lesern ans Herz gelegt.
Das Schönste an „Habibi“ ist allerdings, dass man nach Beendigung der Lektüre gleich wieder Seite 1 aufschlagen möchte um sich noch einmal sehr intensiv mit den Zeichnungen zu beschäftigen, die vor Feinheiten und kleinen Spielereien nur so strotzen.
Insgesamt auf jeden Fall ein rundum schönes Produkt, das dem Preis von 39,- € mehr als gerecht wird und sicherlich in keiner Sammlung mit guten Bildergeschichten fehlen sollte.
Der Erfolg sei Verlag und Autor jedenfalls gegönnt.

Björn Steckmeier