Newsletter: Trampelpfade durch den Comic-Dschungel, Teil 4.

Comics. Viele Comics. So, daß einem schon ganz schwummrig wird.

Liebe Comicfreunde,

Willkommen im Dschungel.

Es gibt eine Menge Comics. Richtig, richtig viele.

Einerseits ist das zwar großartig, aber manchmal führt das auch dazu, daß es mit der Orientierung etwas schwierig wird. Daher nehmen wir die virtuelle Machete zur Hand und schlagen uns ein paar Pfade ins Dickicht – schließlich ist es ja auch spannend, Comics immer wieder unter anderen Blickwinkeln zu betrachten und Verknüpfungen zu schaffen zwischen Sachen, die sonst vielleicht gar nicht miteinander in Beziehung gebracht werden…

Um das Ganze nicht zu überfrachten gehen wir zunächst die meisten Wege in deutscher Sprache, es wird aber natürlich auch einige Abzweigungen zu Comics in englischer Sprache geben. Klickt einfach auf alles, was nach einem Link aussieht – und damit geht es schon los auf den „Comic-Abenteuerpfad“.

4. Literatur

Als Einleitung und passend zum am 27.10. angelaufenen Steven-Spielberg-Film Die Abenteuer von Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn wollen wir gleich auf ein Essay über eine Comic-Reihe verweisen: Tim & Struppi und das Geheimnis der Literatur zeigt eindrucksvoll, daß Comic und Literatur eher Nachbarn als Fremde sind.

Das Schöne an Comics zu literarischen Vorlagen ist, daß man zu den meisten Titeln nicht viel sagen muß – so kann ich also einfach eine Liste mit Titeln bekannter Klassiker präsentieren, die alle die „Comic-Behandlung“ erhalten haben. Vielleicht wird das etwas spröde zu lesen, aber auf der anderen Seite wird wohl eine Sammlung von Wegweisern durch den Comic-Dschungel nur von den Wenigsten selbst als Literatur angesehen 🙂

So präsentieren wir also in zwangloser Folge die Comic-Adaptionen von Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit direkt neben Dantes Göttliche Komödie: Hölle, Fegefeuer, Paradies, gefolgt von Edgar Allan Poes Welt des Schreckens und dem bereits erwähnten Band Edgar Allan Poe – Unheimliche Geschichten. Kafkas Die Verwandlung ist ebenso als Bildgeschichte verewigt worden wie Goethes Faust (den es auch als Cartoon Faust von flix gibt). Ebenfalls als Comic gibt es das von Goethe geschätzte Werk Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman, Ray Bradburys Meisterwerk Fahrenheit 451, Die drei Musketiere: Aus dem Tagebuch des jungen D’Artagnan und Die Wolke nach dem Roman von Gudrun Pausewang. Friedrich Dürrenmatt ist mit Der Verdacht und Der Richter und sein Henker genauso vertreten wie Pünktchen und Anton und Der 35. Mai von Erich Kästner oder der Achtungserfolg von Khaled Hosseini über das uns unbekannte Land Afghanistan, Drachenläufer. Auch Der letzte Mohikaner und Der kleine Prinz dürfen ebensowenig fehlen wie Gilgamesch vom Anfang der Literatur – und um mal einen englischen Titel mit reinzunehmen verweisen wir auf Paulo Coelhos The Alchemist: A Graphic Novel. Daneben gibt es auch noch von Comic-Zeichnern illustrierte Bände, wie z.B. Charles Bukowskis Den Göttern kommt das grosse Kotzen.

Und falls das immer noch jemandem nicht schnell genug ging gibt es auch noch den „Schnelldurchlauf“ durch die hohe Kunst des geschriebenen Wortes – natürlich ebenfalls bebildert: 100 Meisterwerke der Weltliteratur als Comix und Weltliteratur für Eilige – Und am Ende sind sie alle tot. Einen weiteren Rundgang – diesmal durch die Zeit- und Literaturgeschichte – bietet der Band The Beats – Eine Geschichte der Beat-Literatur; statt San Francisco in den 50er Jahren kann man mit dem fiktiven, aber reizvollen Band Hemingway in die Atmosphäre des literarischen Paris der 20er Jahre eintauchen (auch wenn sich in diesem Band mal alles um Comics dreht). Und von der Qualität her durchaus als „literarisch“ zu bezeichnen wären die Werke des Japaners Jiro Taniguchi (auch als Film sehenswert: Vertraute Fremde auf DVD vom belgischen Regisseur Sam Garbarski).

Beschliessen möchte ich dieses Kapitel mit einer kniffligen Frage: kann eine Geschichte, die ohne Worte erzählt wird, Literatur sein? Wenn es bei „Literatur“ wörtlich genommen um den geschriebenen Buchstaben geht sicher nicht … Aber wie steht es mit Shaun Tans Ein neues Land? In dieser Geschichte über das Schicksal von Einwanderern, den Aufbruch ins Unbekannte und der Entdeckung von Menschlichkeit in der Fremde wird die Handlung komplett ohne Worte erzählt und erreicht dennoch einen Grad an Intensität, von dem so manches „geschriebene Buch“ sich einige Seiten abschneiden könnnte. Man sollte nicht vergessen, daß unsere Vorfahren damit begannen, Sinnbilder (wie etwa die Hieroglyphen) aufzuzeichnen – und daß sich erst daraus die Buchstaben entwickelt haben …

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit: Combray Weltliteratur für Eilige - Und am Ende sind sie alle tot Dantes Göttliche Komödie: Hölle, Fegefeuer, Paradies
Faust: nach J.W. von Goethe Edgar Allan Poes Welt des Schreckens HC Vertraute Fremde
Die Wolke Drachenläufer Graphic Novel The Beats - Eine Geschichte der Beat-Literatur

Und beim nächsten mal geht es mit einem Thema weiter, welches man auch nicht so unbedingt direkt mit Comics in Verbindung bringt 😉

Frohes Stöbern und Lesen wünschen

Thomas & das Team vom Bonner Comic Laden

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