Newsletter: Trampelpfade durch den Comic-Dschungel, Teil 2.

Comics. Viele Comics. So, daß einem schon ganz schwummrig wird.

Liebe Comicfreunde,

Willkommen im Dschungel.

Es gibt eine Menge Comics. Richtig, richtig viele.

Einerseits ist das zwar großartig, aber manchmal führt das auch dazu, daß es mit der Orientierung etwas schwierig wird. Daher nehmen wir die virtuelle Machete zur Hand und schlagen uns ein paar Pfade ins Dickicht – schließlich ist es ja auch spannend, Comics immer wieder unter anderen Blickwinkeln zu betrachten und Verknüpfungen zu schaffen zwischen Sachen, die sonst vielleicht gar nicht miteinander in Beziehung gebracht werden…

Um das Ganze nicht zu überfrachten gehen wir zunächst die meisten Wege in deutscher Sprache, es wird aber natürlich auch einige Abzweigungen zu Comics in englischer Sprache geben. Klickt einfach auf alles, was nach einem Link aussieht – und damit geht es schon los auf den „Comic-Abenteuerpfad“.

2. Geschichte

Vergangenheit gewordene Politik gibt es natürlich ebenfalls in Comic-Form. Da gibt es Comics zum Kalten Krieg (mit dem wohl bekanntesten Kosmonauten und erstem Lebewesen im Weltall: Laika) oder auch zum Fall der Mauer in Berlin (Grenzfall) – was auch als Cartoon verarbeitet wurde (Da war mal was…). Wer einen Rundflug durch die neuere deutsche Geschichte buchen möchte ist mit Deutschland. Ein Bilderbuch von Isabel Kreitz gut beraten. Und wer gerne in Begleitung reisen möchte kann dies mit Die Geschichte bei Tim & Struppi: Eine Reise durch die Zeit – von den Maya bis zum Mond tun (der Band ist allerdings kein Comic, sondern waschechte „Sekundärliteratur“).

Zeitlich weiter zurück und im zweiten Weltkrieg angelangt gibt es eine ganze Reihe von Titeln wie Alans Krieg: Die Erinnerungen des GI Alan Cope, in dem die Erlebnisse eines amerikanischen Soldaten verarbeitet werden – aber auch Die Sache mit Sorge: Stalins Spion in Tokio ist erwähnenswert, weil er einen Blick hinter verschiedenste Kulissen erlaubt. Der Manga Adolf erzählt eine fiktive Geschichte um mehrere Personen im dritten Reich, die den Vornamen Adolf teilen – vom gleichen Autor stammt übrigens auch der zeitlich ebenfalls hierhin passende Manga Barfuss durch Hiroshima. Aber damit nicht genug vom 2. Weltkrieg – gerade aus der Sicht der jüdischen Opfer gibt es eine ganze Reihe von Werken zur Geschichte des Holocaust: Die vollständige Maus von Art Spiegelman, Das Leben von Anne Frank – eine grafische Biographie, Die Suche und das leider nur noch auf englisch verfügbare Yossel TPB wären da zu nennen. Auch unsere französischen Nachbarn haben sich dem Thema „Weltkrieg II“ ausgiebig gewidmet mit Titeln wie War and Dreams, Malgré Nous – Gegen unseren Willen, Unter dem Hakenkreuz oder Es war einmal in Frankreich, vor allem natürlich unter den Gesichtspunkten Kollaboration & Vichy-Regime auf der einen Seite und dem Widerstand gegen die Nazis auf der anderen Seite.

Und wo wir gerade noch bei den Nationalsozialisten in der Nähe sind sei auf den leider nicht in deutscher Sprache erschienenen Band The Plot: Secret Story of the Protocols of the Elders of Zion HC von Will Eisner verwiesen. Zeitlich (und geistig) benachbart – nämlich unter der Herrschaft des Duce Benito Mussolini – schildert die Handlung von Insel der Männer die Verfolgung von Homosexuellen in Italien. Auch zur großen Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre (der „great depression„) hat der Comic Dixie Road einiges zu sagen (und zeigen).

Mit dem Mord an Rasputin und dem (leider nur auf Englisch erschienenen) Petrograd HC verlassen wir dann das 20. Jahrhundert und stürzen uns mit dem mehr als üppig gewordenen Sittengemälde Borgia (kein Wunder bei den Zeichnungen von Milo Manara) mitten in die Zeit der Renaissance. Politische Ränkespiele, Gerangel um den Heiligen Stuhl und absolute Macht finden wir dann auch in Der schreckliche Papst (wie Borgia ebenfalls von Alexandro Jodorowsky geschrieben).

Im finsteren Mittelalter sieht es dann in gewisser Weise mit Comics düster aus: wirklich geschichtliche Comics sind hier doch eher dünn gesät. Es ist zwar durchaus nicht so, als gebe es keine Comics zu dieser Zeit, die meisten verwenden aber eher eine historische Periode als Hintergrund, um eine fiktive Geschichte zu erzählen (wie z.B. in Das Dritte Testament, Der Skorpion, Millennium, Die Druiden und Der tönerne Thron). Sie sind also nicht im eigentlichen Sinne historisch, aber doch insofern interessant, als sie charakterisieren, wie wir in unserer Zeit uns so die Vergangenheit vorstellen: gerade Prinz Eisenherz mit seiner Detailverliebtheit (und dem Mischen von unterschiedlichen Epochen von Frühmittelalter bis Renaissance) ist da ein gutes Beispiel.

In der Antike sieht es dann ganz ähnlich aus: auch Serien wie Murena, Alix oder Die Adler Roms enthalten eher mal hier und dort ein Körnchen historischer Wahrheit, dagegen nehmen es die beiden „Im Kampf gegen Rom“-Bände Arminius der Cherusker und Vercingetorix der Averner schon wieder etwas genauer mit dem geschichtlichen Vorbild.

Die Druiden 1: Das Geheimnis der Oghams Millennium 1: Die Hunde Gottes War and Dreams
Unter dem Hakenkreuz 1: Der letzte Frühling Borgia 1: Blut für den Papst Laika
Barfuss durch Hiroshima 1: Kinder des Krieges Alans Krieg: Die Erinnerungen des GI Alan Cope Die Sache mit Sorge: Stalins Spion in Tokio

Und natürlich gibt es neben der nüchternen historischen Realität auch noch die verschiedensten Märchen, Mythen und Geschichten in Comic-Form, denen wir uns dann im nächsten Newsletter widmen werden.

Bis zum nächsten Mal!

Thomas & dem Team vom Bonner Comic Laden

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